PPWR, N-ESRS, AgriPV, EU-ETS
Kurz vor dem offiziellen Sommerbeginn herrscht in der regulatorischen Landschaft Hochbetrieb: Während die deutsche Politik überraschend eine Verschiebung der EU-Verpackungsverordnung fordert, konkretisiert sich das Regelwerk für Nicht-EU-Konzerne. Zudem gerät der europäische Emissionshandel unter Beschuss der Schwerindustrie.
Der Regulatory Change Counter verzeichnet diese Woche 73 relevante Änderungen.
📦 Verpackungsrecht: Bundesumweltminister fordert PPWR-Verschiebung auf 2027
Kaum hat das nationale VerpackDG den Bundestag passiert, folgt der nächste Paukenschlag auf europäischer Ebene: Angeblich hat Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) beim ersten „Sustainability & Retail Summit“ des Handelsverbandes Deutschland (HDE) angekündigt, sich beim kommenden EU-Umweltministerrat für eine Verschiebung der PPWR auf den 1. Januar 2027 einzusetzen. Eigentlich soll die Verordnung am 12. August 2026 wirksam werden. Schneider reagiert damit offenbar auf den massiven Druck aus dem Handel und der Verpackungsindustrie, die mehr Vorbereitungszeit für die komplexen neuen Pflichten fordern. Für Unternehmen bedeutet dies eine Phase erneuter politischer Unsicherheit direkt vor dem geplanten Stichtag.
📊 N-ESRS: EFRAG-Dokument offenbart exakte Streichungen für Drittstaaten
Laut eines LinkedIn-Beitrags hat die EFRAG hat den ungenehmigten Entwurf (V1) der N-ESRS für Nicht-EU-Konzerne inklusive einer detaillierten Änderungsfassung (Markup-Version) vorgelegt. Das Dokument zeigt präzise, an welchen Stellen die Standards im Vergleich zu den normalen ESRS für europäische Unternehmen entschärft wurden. Die Analyse der Streichungen bestätigt: Der Fokus liegt rein auf den tatsächlichen Auswirkungen (Impacts). Die Abschnitte zu finanziellen Risiken und Chancen, resilienten Geschäftsmodellen sowie zu erwartenden finanziellen Effekten wurden konsequent entfernt. Die Struktur aus 12 Standards (2 übergreifende, 10 thematische) bleibt jedoch erhalten. Auch die Einbeziehung der Upstream- und Downstream-Lieferkette sowie die Übergangsregelungen entsprechen dem bekannten ESRS-Muster. Nach der planmäßigen Diskussion im EFRAG Sustainability Reporting Board (SRB) am 18. Juni biegt der Entwurf nun in Richtung der offiziellen Konsultation ab.
🪵 Energie & Klima: Novellierung des EEG bringt Streit um Agri-Photovoltaik
Die Bundesregierung treibt die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) voran. Der aktuelle Entwurf aus dem Wirtschaftsministerium unter Katherina Reiche sieht weitreichende Anpassungen vor, die insbesondere die Agri-Photovoltaik (Agri-PV) betreffen. Ziel ist es, die Doppelnutzung von landwirtschaftlichen Flächen für Nahrungsmittel- und Stromproduktion bürokratisch zu erleichtern und gezielter zu fördern. Die Pläne stoßen jedoch auf scharfe Kritik: Branchenverbände bemängeln zu starre technische Vorgaben, während die Opposition der Regierung vorwirft, die landwirtschaftliche Praxis nicht ausreichend zu berücksichtigen.
🏭 Emissionshandel: Europäische Stahlriesen attackieren das EU-ETS
Die regulatorische Gangart beim europäischen Emissionshandel (EU-ETS) sorgt für heftigen Gegenwind aus der Industrie. Führende europäische Stahlkonzerne haben eine konzertierte Initiative gestartet, die direkt auf die Ausgestaltung des EU-ETS abzielt. Die Unternehmen warnen vor massiven Wettbewerbsnachteilen auf dem globalen Markt, da die kostenlosen Zuteilungen schrittweise auslaufen, während der CO₂-Grenzausgleich (CBAM) noch nicht vollumfänglich greift. Die Stahlriesen fordern von Brüssel dringende Nachbesserungen und flexiblere Übergangsregelungen, um Abwanderungen der Produktion (Carbon Leakage) in Drittstaaten zu verhindern.
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